Zwei Leben: Salvatore und Enzo

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    Monolog: Die Kindheit


    Verdammt, Little Italy... diese engen Gassen in Liberty City, wo alles anfing.

    Ich war Salvatore Bellini, acht oder neun, rannte mit einem alten Fußball rum, kickte ihn zwischen Marktständen und Wäscheleinen, Schweiß auf der Stirn, Lachen in der Luft.

    Mama Lucia lehnte am Fenster, schlank, mit diesem Blick, der alles warm machte, schaute zu.

    Papa Angelo kam vom Hafen, robust, dreckige Klamotten mit Löchern von der Arbeit, Tasche über der Schulter, brüllte: Pass auf Giuliana und Francesca auf!

    Giuliana fast so alt wie ich, Francesca noch klein, alles großäugig.


    Pasta sonntags, Feste mit Gesang... wir hatten nix, aber ich war immer glücklich, echt.

    Hab nie eine Miene verzogen, nix von dem Druck gemerkt, Papas müde Schultern nach Schichten, Mamas Sorgenfalten über Rechnungen.

    Sie haben es vor uns versteckt, immer gelächelt, als wär alles easy.

    Familie hieß beschützen, und ich dacht, das Leben wär nur Spiel.

    Heute frag ich mich: Wann fing der Ernst an, ohne dass ich es kapiert hab?




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    Papas Schatten und der Pakt


    Weißt du, Papà… ich kann den Geruch von damals noch immer riechen. Salz vom Hafen, Diesel in der Luft und Mammas Suppe, die nie ganz fertig wurde, weil ihre Hände so oft zitterten. Sie hat gelächelt, auch wenn sie kaum noch Kraft hatte. Du hast immer gesagt, das Lächeln einer Frau hält ein Haus zusammen. Aber was, wenn das Lächeln verschwindet?


    Du kamst jeden Abend spät nach Hause, die Schultern schwer von der Arbeit und die Hände voller Schwielen. Und trotzdem hast du dir Zeit genommen für Giuliana und Francesca, hast sie auf den Schoß gesetzt, ihnen Geschichten erzählt und so getan, als wäre alles gut. Sie haben gelacht, Papà. Aber ich hab gesehen, wie du danach geweint hast, leise, in der Küche, wenn alle schliefen.

    Dann kam dieser Tag, an dem der Arzt das Wort sagte, das keiner von uns aussprechen konnte. Plötzlich war jeder Atemzug von Mamma teurer als dein ganzer Lohn. Ich erinnere mich, wie du die Rechnungen gezählt hast, immer und immer wieder, als würdest du beim nächsten Mal ein Wunder finden.


    Und eines Abends bist du gegangen. Kein Wort, kein Blick, nur die Tür, die sich langsam geschlossen hat. Ich wusste, wohin du gehst. Zu den Männern mit den teuren Anzügen und den kalten Augen. Männern, die Hilfe versprechen, aber sie niemals schenken.


    Als sie später kamen und dich auf der Straße gepackt haben, stand ich da, wie versteinert. Ich wollte schreien, wollte etwas tun, aber meine Beine haben mich verraten. Und während sie dich schlugen, lag Mamma im Bett und fragte, warum du so lange brauchst. Ich habe gelogen, Papà. Ich habe gesagt, du arbeitest wieder spät im Hafen. Weil ich nicht wollte, dass sie weiß, wie tief wir schon gefallen waren.

    Du wolltest stark sein für uns, und das warst du. Aber manchmal, Papà, reicht selbst Stärke nicht, wenn die Welt keine Gnade kennt.


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